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Sozialkapital in virtuellen Welten
Aus technischer Sicht erleben wir eine Explosion der virtuellen Welten. Immer höhere Datenmengen werden gespeichert und im Internet bewegt. Ein paar Zahlen zeigen, wie gewaltig diese Explosion ist: die Programme aller TV- und Radiostationen der Welt erzeugen nach Schätzungen von Experten ein Datenvolumen von ca. 75 Petabytes. Petabytes sind 1015 Bytes. Die erst vor wenigen Jahren im Internet gestartete Videoplattform Youtube erzeugt auf Grund von Hunderten Millionen Zugriffen diese Datenmenge in nur 3 Monaten. Youtube ist nur eine von vielen Videoplattformen.
Berücksichtigen wir die rasante Verbreitung von digitalen Foto- und Videokameras und den rasanten Anstieg der Internetnutzung weltweit, so können wir davon ausgehen, dass in wenigen Jahren das von privaten Nutzern und Unternehmen erzeugte jährliche Datenvolumen im Internet 5 Exabytes betragen wird. Exabytes sind 1018 Bytes. Es ist zusätzlich damit zu rechnen, dass bald alle Kameras mit dem High Definition Video Format ausgerüstet sein werden und dass sich damit das weltweite Datenvolumen auf 50 Exabytes pro Jahr erhöhen wird. Das sind unvorstellbare Daten, daher ein Vergleich: Speichert man die Datenmenge von 50 Exabytes auf Laptop Computern mit einem gängigen Festplattenspeicher von 100 Gigabyte, so braucht man dazu 500 Millionen Notebooks. Stapelt man diese Notebooks übereinander, ergibt das bei modernen Notebooks mit einer Dicke von 2 cm einen Stapel von 10.000 km.
Diese technische Zahlenspielerei sagt noch nichts darüber aus, ob diese Daten sinnvoll in Bezug auf die Bildung von Sozialkapital genützt werden. Jedoch zeigt sich, dass Applikationen im Internet, welche schließlich die Explosion der Datenmengen verursachen, immer mehr so genannte Web 2.0 Anwendungen sind. Web 2.0 ist ein Begriff, der auf eine neue Form des Internet hinweist. Bis vor wenigen Jahren bestanden die Anwendungen im Internet vor allem darin, dass wenige Nutzer, meist Unternehmen und Organisationen, Inhalte im Netz veröffentlichten und dass viele Nutzer diese Inhalte konsumierten. Heute beteiligen sich Millionen Nutzer im Internet und gestalten den Inhalt mit.
Die größte Enzyklopädie mit dem Namen Wikipedia wurde von hunderttausenden Nutzern erstellt und wird noch immer ständig von den Nutzern erweitert. 70 Millionen Internetnutzer führen Blogs. Das sind Tagebücher, die auf Grund der intensiven Vernetzung eine hohe Relevanz bei der Meinungsbildung aufweisen. Soziale Plattformen wie my Space oder Facebook ziehen viele Millionen junge User an, die sich hier austauschen. Im Businessbereich hat sich im deutschsprachigen Raum Xing als eine der ersten Adressen für virtuelle Netzwerke etabliert. In Südkorea gibt es mit Ohmyews eine Zeitung, die ausschließlich von den Lesern per Internet geschrieben wird. Das gemeinsame an diesen neuen Möglichkeiten des Internets ist das Mitmachen, das Vernetzen aber auch die Meinungsbildung von der Basis.
Noch nie hatten Menschen die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt mittels Text, Bild und auch Video an Milliarden anderer Menschen zu kommunizieren und sich dabei auch noch zu vernetzen und einen Dialog zu führen. Die Massenmedien des 20. Jahrhundert entwickelten eine Türhüterfunktion für öffentliche Meinungsbildungsprozesse. Die Redaktion und die Blattlinie und natürlich starke wirtschaftliche und politische Interessen bestimmten und bestimmen noch immer den Inhalt. Die neuen sozialen Medien wie Internet in der Ausprägung Web 2.0 überwinden diese Türhüterfunktion ohne dass sie die klassischen Medien ablösen werden. Videobotschaften auf Youtube erreichen ein Millionenpublikum ohne Redaktion, aber auch kleine Communities wie zum Beispiel ehemalige Schulklassen bleiben, wie das Beispiel myyearbook zeigt, ohne Türhüterfunktion vernetzt.
Die wesentliche Frage, die sich jetzt stellt, ist ob diese neuen Möglichkeiten des Kommunizierens und des Vernetzens tatsächlich zum Aufbau von Sozialkapital beitragen? Zitat zum Thema Sozialkapital aus der Enzyklopädie Wikipedia: "Soziales Kapital entsteht durch die Bereitschaft der Bürger (Akteure), miteinander zu kooperieren. Es benötigt eine Basis des Vertrauens (Soziales Vertrauen), auf der sich Kooperation und gegenseitige Unterstützung entwickeln können".
Als interessierter Teilnehmer am Web 2.0, ich betreibe einen Blog mit der Adresse http://bredlbloggt.telekom.at , kann ich sagen, dass durch die neuen Formen des Internets die Bereitschaft der Bürger zu kooperieren steigt. Die wirklich einzigartigen Möglichkeiten regen zur Kooperation an. Viele Unternehmen nutzen bereits die Kooperationsbereitschaft der Kunden, um neue bessere Produkte zu erzeugen. NGOs nutzen diese neuen Möglichkeiten, um ihre Pressure Groups besser zu vernetzen.
Regierungsmitglieder in Österreich führen Blogs, um mehr Transparenz für die Wähler zu bieten. Vertrauen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wer Vertrauen im Internet missbraucht, wird auch sofort bestraft. Wal Mart, der größte Handelskonzern in den USA, hat einen Blog unter Vorspiegelung falscher Tatsachen betrieben und musste nach Aufliegen der Machenschaft herbe Imageverluste hinnehmen.
Zusammenfassend möchte ich ausführen, dass sicher nicht jeder Anstieg von Datenmengen ein Hinweis auf eine erhöhte Bildung von Sozialkapital im Cyberspace ist. Es gibt auch viel Müll im Cyberspace. Der Entwicklungsschritt des Internets zu Web 2.0 und die enorme Zunahme der Nutzung dieser Dienste, die eine gewaltige Explosion der Daten auslöst, weist jedoch eine sehr starke Evidenz von einer gestiegenen Kooperation der Bürger auf.
Sozialkapital im Internet - Empirische Resultate.
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