Der Club of Rome und die "World Problematique"

Siegfried Sellitsch    SIEGFRIED SELLTISCH

Austrian Chapter
des Club of Rome

Ich möchte namens der Veranstalter, dem Austrian Chapter des Club of Rome und SERI, unserem Kooperationspartner, der Stadt Wien, und dem Hausherrn, dem ORF, ganz herzlich für die Zusammenarbeit danken und mit wenigen Worten die Arbeit des Club of Rome erläutern.

Der Club of Rome geht auf eine Persönlichkeit zurück, die 2008 ihren hundertsten Geburtstag feiern würde: Aurelio Peccei. Er stammte aus Turin, studierte dort Ökonomie und begann seine berufliche Karriere bei Fiat. Peccei etablierte zwischen den Weltkriegen die Niederlassung des Unternehmens in China und kehrte dann nach Italien zurück, wo er sich der Widerstandsbewegung anschloss. Nach dem Krieg baute er die Niederlassungen von Fiat in Lateinamerika auf. Er lebte in den verschiedensten Regionen der Welt und ahnte sehr bald, wohin das unbegrenzte Wachstum des 20. Jahrhunderts führen würde. In den späten 60er Jahren war er auch in die Gründung eines Instituts involviert, das sich im Kalten Krieg zur Drehscheibe zwischen Ost und West entwickelte. Das International Institute for Applied System Analysis (IIASA) in Laxenburg war weltweit das einzige Institut, in dem sowohl der oberste Sowjet mit der Akademie der Wissenschaften der UdSSR als auch die Vereinigten Staaten mit ihrer Academy of Science zusammenarbeiteten. Prof. Dennis Meadows war einer der frühen Angehörigen von IIASA. Peccei hat dann Ende der 60er Jahre zusammen mit Alexander King den Club of Rome ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Zukunftsprobleme der Menschheit (die "World Problematique") zu untersuchen. Der Club beachtet dabei drei Prinzipien:

  • die Notwendigkeit der Erarbeitung globaler Perspektiven, da bei zunehmender Interdependenz und Vernetzung von Staaten und Regionen der einzelne Staat auf sich gestellt nicht mehr handlungsfähig ist,
  • die Notwendigkeit eines holistischen Denkansatzes, der nur in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit verwirklicht und ohne den ein tieferes Verständnis der vorliegenden Probleme in ihrer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen sowie in ihrer technologischen, umweltbedingten und kulturellen Komplexität nicht gewonnen werden kann,
  • die Notwendigkeit, stets die Langfristigkeit von Problemanalyse und alternativen Lösungsansätzen zu betonen, um damit den Entscheidungsträgern Hilfestellung für die Durchsetzung einer zukunftsorientierten Politik zu geben.

Der Club hat in seiner fast 40-jährigen Geschichte die Erfahrung gemacht, dass es relativ leicht ist, Betroffenheit zu erzeugen. Das ist mit Hilfe der Erkenntnisse der Wissenschaft möglich. Der schwierigere Schritt ist zu erreichen, dass diejenigen, die in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft etwas bewirken können, dann auch wirklich aktiv werden.

Der Club of Rome präsentiert keine Patentrezepte, er bildet vielmehr eine Plattform, innerhalb derer verschiedene Lösungsansätze für die "World Problematique" diskutiert werden. Der Club gibt keine politischen Stellungnahmen ab und selbst die Berichte stellen keine Publikationen DES Club of Rome dar, sondern sie werden von der Mitgliederversammlung als Berichte AN den Club of Rome und damit als wegweisende Publikationen anerkannt, ohne dass daraus gefolgert werden könnte, dass alle Mitglieder des Clubs mit den Inhalten einverstanden wären. In Österreich ist der Club beinahe seit seiner Gründung aktiv und es gibt kein zweites Land, dem er in ähnlicher Weise verbunden wäre. Es gibt hier daher nicht nur das Austrian Chapter, sondern der Club hat auch sein Europabüro in Wien angesiedelt. Von hier aus werden die Arbeiten der Länderorganisationen in Europa koordiniert.

Vor 30 Jahren hat der Club of Rome ein Buch als Bericht an den Club angenommen: „Limits to Growth“, die Grenzen des Wachstums, in dem in einer mathematisch fundierten Form darauf hingewiesen wurde dass ewiges Wachstum nicht möglich ist. Daraus wurde geschlossen, dass es unvermeidlich sein wird, das traditionelle, an den Ressourcenverbrauch gekoppelte Wachstum zu bremsen. Nun gibt es ein 30-Jahres Update zu dem Buch und ich freue mich sehr, mit Dennis Meadows einen der Autoren in Wien begrüßen zu dürfen.